Samstag, Mai 13, 2006

Zufrieden mit der Etikette

Seit dem hochdekorierten "Das Leben der Anderen" ist der Deutsche Film gerettet. Ein dramatischer Streifen, durchaus intelligent und gut inszeniert, beleuchtet ein weiteres Mal die dunkle Vergangenheit der DDR. Jeder scheint ihn zu mögen, doch mitnichten ausschließlich aus dramaturgischen Gründen, oft hört man Sätze wie "Genauso war es". Aber war es wirklich so? Viele wissen es nicht. Gerade die, die es behaupten, können es auch garnicht wissen. Dabei ist es doch immer schick, von sich sagen zu können, man setze sich mit einem gesellschaftswissenschaftlichen Thema auseinander. Mit einer Hand voll Allgemeinplätzen ist man gesellschaftsfähig und das sogar auf einem hohen Niveau. Wenn es Einem auch nur darum geht, reicht das aus. Kleider machen Leute. Sie lesen Bücher, weil andere sie lesen und hören Musik, weil andere sie hören. Sie grenzen sich ab von einer sozialen Unterschicht und von einer hedonistischen Oberschicht. Sie engagieren sich, wenn andere sich engagieren. Es sind Studenten die Applaus geben, wenn in Frankreich Gesetze durch die Kraft einer Bewegung abgewendet werden, die es so oder so ähnlich in Deutschland schon gibt, aber trotzdem zuhause bleiben. Aber sind das die Intellektuellen, die wir brauchen? Sind das die Menschen, die etwas bewegen? Oder sind es nur Leute die sich gegenseitig Recht geben, während sie den Konflikt meiden? Reicht es denn aus, in der Vergangenheit zu forsten und sich mit allgemein akzeptieren Meinungen zufrieden zu geben? technocrati tags