Dienstag, Februar 07, 2006

„Minimal“ ist keine Lösung

Während einige in Berlin noch dazu rumzappeln, ist dem Rest der Republik längst klar: minimaler gehts nicht mehr. Die Konzentration aufs Wesentliche, die Ordnung und Verlässlichkeit verspricht, entpuppt sich immer mehr schlicht als Verlust des Ganzen.

Wo ist es hin, das Wunder der Neunziger: Rausch und Rhythmus überall? Die Hauptstadt als Mittelpunkt der Glückseligkeit?!

War es etwa der pragmatische Rationalismus aus dem Osten, der sich nach Ventilöffnung in einen kochenden Hexenkessel verwandelte?

Die Gründe dafür mögen für den ein oder anderen auf der Hand liegen aber ich frage Sie: wo ist all die Power geblieben? Einen Mangel an der Substanz kann ich nicht erkennen, wie kommt es also nun also zur „neuen Sachlichkeit“?

Nicht nur, dass unsere Hosentaschen heute leer sind. Nein, wir würden noch nicht einmal auf die Idee kommen, uns darüber zu beklagen! Immerhin haben wir ja die Möglichkeit, ständig etwas zu besorgen, damit die Party richtig losgehen kann.

Doch wir tun es nicht. Wir sind zufrieden mit kleinsten Nenner! Der Punkt, bis zu dem noch alles gut läuft – das ist das neue Optimum. So schwelgen wir in unseren sachlichen Umständen und wiegen uns in Sicherheit, jederzeit den zweiten Gang einlegen zu können, wenn wir es denn nur wöllten.

Auch Diejenigen, die über uns stehen, haben keine Vorschläge in der Pipeline. Stattdessen verschreiben sie sich genüsslich dem Rationellen, als wäre es ein Garant für den Erfolg.

Selbstverständlich kommen ab und an die Momente der Geselligkeit, in dessen Rausch man sich schon einmal zu einem schlechten Wort hinreißen lässt. Nur das Übliche halt. Die Kritik wird zur Zeitung, die man gönnerhaft weiterrecht, wenn die Schlagzeilen durchgelesen sind.

Aber ist das wirklich alles was wir können? Ist vielleicht eine Wiederbelebung der Liebe zur Heimat die Lösung, das Wegschieben jeglicher befremdender Ablenkung und die Besinnung auf eigene Kräfte?

Oder müssen wir endlich erkennen, dass „Minimal“ keine Lösung ist?

2 Comments:

At 2/07/2006 05:42:00 nachm., Anonymous Blauz said...

Hi K0ochy!
Bisher war ich eigentlich ganz zufrieden mit dem was ich hatte.
Erstaunlich zu sehen, wie rasch
eine Ansicht bzw. Einstellung sich ändern kann.
Der Beitrag könnte viele Menschen wachrütteln.

Ich kann nur sagen:
"...K0ochy bringt selbst den Denkfaulsten zum nachdenken..."

 
At 2/08/2006 12:11:00 vorm., Anonymous CEO Undeutsch said...

Ja, kann mich blauz nur anschließen, der Artikel "Minimal" hat mich auf die Idee gebracht, endlich in Tel-Aviv etwas Großes, ja wundervolles aufzubauen. Vielleicht sogar den Traum vom Turm zu verwirklichen. Aber das muss man sehen.

Ansonsten, macht weiter so Leute eure sozial-/medien-kritischen sind das was diese Spiegel Online geplagte Inet-Konsumenten-Welt als unverdaulichen Fleischklöpse braucht.

THUMBS UP

euer Felix

 

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