Donnerstag, Mai 25, 2006

Autos verbieten, Kriege erlauben!

Das Deutsche Grundgesetz wurde unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg verfasst. Es ist aus der Überzeugung entstanden, begangene Fehler nicht zu wiederholen und Staatsverbrechen zu verhindern. Heute sind wir ein Stück "weiter". Manche Politiker würden sagen, die Realität sähe heute schließlich anders aus. "Alles schön und gut, aber..." Nehmen wir gleich Artikel 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Einfach, leicht zu merken und zu verstehen. Keiner würde jemals wagen, diesen Satz anzuzweifeln. Keiner? Ganz ehrlich, manchmal zweifeln wir alle doch daran! Aber es gibt auch Leute, die meinen selbst im nüchternen Zustand, dass es einige Menschen gibt, die weniger Würde besitzen oder schlimmstenfalls nicht in die Kategorie "Mensch" passen. Ausländische Straftäter sollen aus unserem Land verbannt werden. Dabei ist man Straftäter, wenn man trotz jahrlangen Aufenthalts, Berufstätigkeit und Familiengründung keine offizielle Aufenthaltsgenehmigung hat. Ganz egal, ob man im Heimatland politisch verfolgt wird. Deutschland ist eben "Voll", oder so. Nach dieser Logik könnte man auch argumentieren, den Verursacher von tausenden Toten jährlich zu verbieten - das Auto. Aber das Auto ist ja kein Mensch. Ist unser Grundgesetz ein Ehrenkodex? Um globalen Wirtschaftsbeziehungen gebührenden Schutz zu erteilen, müssen noch weitere Artikel unseres Grundgesetzes ausgeklammert werden. (Artikel 25 & 26 verbieten die Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges.) Nun kann man natürlich behaupten, dass unser Lebenstandart angegriffen wird, wenn andere Nationen ihre Ressourcen nicht rausrücken und hier durchaus eine Art Angriffskrieg vorliegt. Aber da dies in der Geschichte schon Einige versucht haben, wird auch dieser Begriff in Artikel 115 ganz konkret definiert: wenn "das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird." So engagiert sich unsere Regierung erneut in Afrika. Ganz wie zu des Kaisers Zeiten: eine "Schutztruppe" schützt die deutsch/französischen Interessen im Kongo. Den nächsten konkreten Schritt geht Franz Josef Jung (CDU), seines Zeichens Verteidigungsminister. Im sogenannten "sichterheitspolitischen Weißbuch" soll der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ermöglicht werden. Verabschiedung der Neuerungen soll am 12. Juni 2006 stattfinden. Und so werden unsere alten Ideale durch noch Ältere ganz langsam ersetzt.

Samstag, Mai 13, 2006

Zufrieden mit der Etikette

Seit dem hochdekorierten "Das Leben der Anderen" ist der Deutsche Film gerettet. Ein dramatischer Streifen, durchaus intelligent und gut inszeniert, beleuchtet ein weiteres Mal die dunkle Vergangenheit der DDR. Jeder scheint ihn zu mögen, doch mitnichten ausschließlich aus dramaturgischen Gründen, oft hört man Sätze wie "Genauso war es". Aber war es wirklich so? Viele wissen es nicht. Gerade die, die es behaupten, können es auch garnicht wissen. Dabei ist es doch immer schick, von sich sagen zu können, man setze sich mit einem gesellschaftswissenschaftlichen Thema auseinander. Mit einer Hand voll Allgemeinplätzen ist man gesellschaftsfähig und das sogar auf einem hohen Niveau. Wenn es Einem auch nur darum geht, reicht das aus. Kleider machen Leute. Sie lesen Bücher, weil andere sie lesen und hören Musik, weil andere sie hören. Sie grenzen sich ab von einer sozialen Unterschicht und von einer hedonistischen Oberschicht. Sie engagieren sich, wenn andere sich engagieren. Es sind Studenten die Applaus geben, wenn in Frankreich Gesetze durch die Kraft einer Bewegung abgewendet werden, die es so oder so ähnlich in Deutschland schon gibt, aber trotzdem zuhause bleiben. Aber sind das die Intellektuellen, die wir brauchen? Sind das die Menschen, die etwas bewegen? Oder sind es nur Leute die sich gegenseitig Recht geben, während sie den Konflikt meiden? Reicht es denn aus, in der Vergangenheit zu forsten und sich mit allgemein akzeptieren Meinungen zufrieden zu geben? technocrati tags

Dienstag, Mai 09, 2006

Wie man sich am besten selbst verrät

Unlängst macht es im Web die Runde: Das Pentagon hat herausgefunden, die Islamisten wissen bescheid. Sie wissen, wie man das „Monopol der Massenkommunikation“ untergraben kann.

Soweit so gut. Dabei denkt man natürlich an Videos, die auf angeblichen Razzien von US Soldaten gefunden oder auf dem arabischen Nachrichtensender al Dschaira ausgestrahlt werden. Vor dem US-Repräsentantenhaus fand letzte Woche ein Themenabend zum Thema „strategische Kommunikation“ der Islamisten per Internet statt.

Wer jetzt hier an Anleitungen zum Bau der Bombe denkt, liegt wieder falsch. Es ging um nichts Geringeres als die gezielte Propaganda, die Anwerbung neuer junger Kräfte im Kampf gegen den Kreuzzug. (der Ungläubigen; Anm.d. Autors)

Dazu bedienen sie sich einer im Vergleich zu Ihrem Ziel nicht minder widerlichen Idee: pack die jungen Menschen da, wo sie am liebsten sind. Und junge Menschen sind ja, das weiß heute nun wirklich jeder, am liebsten vor ihrem Computer. Die für den Kampf am geeignetesten finden darüberhinaus ihre Bestimmung meist schon früh und widmen sich Spielen bei denen es ums Wesentliche geht: ums Ballern.

Gesucht, gefunden. So kommen also all die arabischen Kids aus Syrien, Afghanistan, Palästina, Neukölln und dem Libanon zu al-Quaida. Sie spielen an Computern, die mind. 500 $ Wert sein müssen, ein Spiel, wofür man eine Internetverbindung benötigt und gelangen so, praktisch von magischer Hand geleitet, in die ... von Osama Bin Laden.

Dass für diese Analyse lediglich ein Trupp hochbezahlter Experten aus dem Pentagon nötig war, die wiederrum in der Lage waren, die Abgeordneten mit ein paar Spielszenen aus dem Game Battlefield 2 zu überzeugen, erinnert an die Tage von Mr. Colin Powell, der noch einen ganzen Krieg mit einer Powerpoint Präse begründen konnte.

Dass alles Quatsch ist, muss man nicht lange erklären. Das Video stammt von einem amerikanischen Gamer der sich einfach mehr Vielfalt wünschte und nicht immer nur als US Soldat gegen mutmaßliche Terroristen in entsprechender Klischee-Klamotte kämpfen wollte. Er erstellte das Video, versah es mit der imperialmuskritischen Off-Stimme aus dem Film „Team America World Police“ - fertig. Erst kassierte er ein wenig Grunzen aus der Community, eine Weile später ist alles schon zur Nationalen Bedrohung erklärt.

Diese Form der „strategischen Kommunikation“ bzw. Propaganda wird von den USA dagegen in Wirklichkeit schon seit Jahren selbst ausgeführt. Als einziges Land der Welt hat die US Army ein gigantisches Marketing-Budget in die Entwicklung eines taktischen Ballergames investiert, indem man als virtueller US Soldat in ein globales Ranking im Internet einsteigt. Hat man sich ein wenig hochgeballert, flattert einem schon mal eine Anfrage ins Haus, ob man nicht Bock hätte zu Studieren – nachdem man das Geld vom Einsatz im Irak mit nacht Hause genommen hat. (sofern man noch lebt; Anm.d. Autors)

Dass die arabischen Widerstandsgruppen weder Zeit, Geld noch Knowhow für solche Entwicklungen haben mögen, kann man vielleicht noch bestreiten. Aber ob die Zielgruppe über das nötige Equipment verfügt – das ist dann doch eher unwahrscheinlich. Sicher gibt es Kids in arabischen Ländern mit genug Wohlstand, nur die sind in der Minderheit und diese gehören auch nicht zur üblichen Zielgruppe von Rekrutionen. Vielmehr werden wohl Kinder gefragt sein, die unter ihren Lebensumständen leiden und Hass aufgebaut haben, der dann in den Kampf abgeleitet werden kann.

Was also will uns der US Geheimdienst uns damit sagen? Gibt es nun doch moralische Gewissensbisse, spielende Kinder zum Kriegsdienst zu überreden oder will man nur sagen „Hilfe, wir sind inkompetent?!“

Bitte, lieber US-Geheimdienst: schreib mir eine eMail – ich will's wissen.

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Donnerstag, April 06, 2006

Iranischer Minister stellt Anti-Terrorplan vor

Gestern hat der iranische Minister für innere Sicherheit, Mohammed al Burak, einen neuen Plan für die Bekämpfung des Terrors und die Wahrung der nationalen Sicherheit vorgestellt. Der lang diskutierte Absatz, ob Flugzeuge mutmaßlicher Terroristen über dem Stadtgebiet von der Luftwaffe abgeschossen werden dürfen, ist ebenfalls darin enthalten. Nachdem im Irak christliche Terroristen seit Jahren Anschläge im Stadtgebiet und auf die Infrastruktur ausüben, glaubt die iranische Regierung dem damit im eigenen Land vorbeugen zu müssen. Ein Abgeordneter hielt den Absatz für „zu gefährlich“ und sieht die Gefahr von „nicht unwesentlichen Opferzahlen unter der eigenen Bevölkerung durch herabfallende Trümmerteile“. Der Plan soll eine Antwort auf den anhaltenden christlichen Terror im nahen Osten darstellen. Erst letzte Woche haben mutmaßliche christliche Terroristen das Feuer auf eine Dorfsiedlung nahe Falludscha eröffnet, dabei starben 42 Menschen. In der intellektuellen Presse herrschen Diskussionen, wie man mit dem christlichen Terror umgehen sollte und es werden Strategien diskutiert, die über die repressive Bekämpfung der sog. „Symptome“ einer ungleichen Welt hinausgehen. Letzte Woche hat der Präsident der USA, dem wirtschaftlichen Zentrum der christlichen Welt, John Dole, im Fernsehen mit weiteren Angriffen auf die „unterentwickelten Barbaren“ gedroht. Jugendliche in New York demonstrierten unterdessen gegen die konservativen Strukturen im eigenen Land. Die Hoffnung der iranischen Regierung, Studentenproteste können einen politischen Wandel in der christlichen Hemisphäre vollziehen, werden von der Presse als „lächerlich“ bezeichnet. Einerseits verhindern die ausgefeilten Überwachungssysteme der Geheimdienste eine ernstzunehmende Reformbewegung und auf der anderen Seite wird der große Teil der Bevölkerung immernoch als „vom westlichen Konsum verblendet“ bezeichnet. Der vielbeschworene „Krieg der Kulturen“ wird also weitergehen. Während sich die Menschen vor dem christlichen Terror auf den Straßen fürchten, Personen aus dem Westen verdächtigt und aus der Gesellschaft gedrängt werden, versucht die Politik mit harten Bandagen gegen das christlich-militärische Lager vorzugehen. Erst letzte Woche wurden an der iranisch-irakischen Grenze 13 christliche Kombattanten festgenommen. Die Verhörmethoden im iranischen Gefangenenlager „al husquam“ werden in der intellektuellen Presse immernoch als menschenunwürdig bezeichnet. Die Regierung und ein großer Teil der Wählerschaft dagegen sehen darin immer noch das einzigste Mittel um an Informationen zu kommen, welche die Sicherheit im Land aufrecht erhalten können.

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Dieser Beitrag ist pure Fiktion. Namen und Begebenheiten sind frei erfunden.

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Dienstag, Februar 07, 2006

„Minimal“ ist keine Lösung

Während einige in Berlin noch dazu rumzappeln, ist dem Rest der Republik längst klar: minimaler gehts nicht mehr. Die Konzentration aufs Wesentliche, die Ordnung und Verlässlichkeit verspricht, entpuppt sich immer mehr schlicht als Verlust des Ganzen.

Wo ist es hin, das Wunder der Neunziger: Rausch und Rhythmus überall? Die Hauptstadt als Mittelpunkt der Glückseligkeit?!

War es etwa der pragmatische Rationalismus aus dem Osten, der sich nach Ventilöffnung in einen kochenden Hexenkessel verwandelte?

Die Gründe dafür mögen für den ein oder anderen auf der Hand liegen aber ich frage Sie: wo ist all die Power geblieben? Einen Mangel an der Substanz kann ich nicht erkennen, wie kommt es also nun also zur „neuen Sachlichkeit“?

Nicht nur, dass unsere Hosentaschen heute leer sind. Nein, wir würden noch nicht einmal auf die Idee kommen, uns darüber zu beklagen! Immerhin haben wir ja die Möglichkeit, ständig etwas zu besorgen, damit die Party richtig losgehen kann.

Doch wir tun es nicht. Wir sind zufrieden mit kleinsten Nenner! Der Punkt, bis zu dem noch alles gut läuft – das ist das neue Optimum. So schwelgen wir in unseren sachlichen Umständen und wiegen uns in Sicherheit, jederzeit den zweiten Gang einlegen zu können, wenn wir es denn nur wöllten.

Auch Diejenigen, die über uns stehen, haben keine Vorschläge in der Pipeline. Stattdessen verschreiben sie sich genüsslich dem Rationellen, als wäre es ein Garant für den Erfolg.

Selbstverständlich kommen ab und an die Momente der Geselligkeit, in dessen Rausch man sich schon einmal zu einem schlechten Wort hinreißen lässt. Nur das Übliche halt. Die Kritik wird zur Zeitung, die man gönnerhaft weiterrecht, wenn die Schlagzeilen durchgelesen sind.

Aber ist das wirklich alles was wir können? Ist vielleicht eine Wiederbelebung der Liebe zur Heimat die Lösung, das Wegschieben jeglicher befremdender Ablenkung und die Besinnung auf eigene Kräfte?

Oder müssen wir endlich erkennen, dass „Minimal“ keine Lösung ist?

Freitag, Januar 13, 2006

Viva Exilia - Part I - negative feelings

Mit einem merkwürdigen - oder gar denkwürdigem Bild, melde ich mich mit ein-zwei Lebenshustern *brüll* aus der so "befremdlichen" - Fremde. Zu der Lesart des Bildes gleich noch etwas, aber erstmal ein kräftiges Servus aus München nach DD, der Weltstadt mit Herz, des schnellen Euros und dem ich-bezogenen Typus Mensch: der WorkAlcoHolic. Warum das angesichts der existierenden Klischees der Bayern (sie trinken viel Bier und arbeiten auch ganz fleißig) ein Neologismus ist, muss an dieser Stelle mangels besseren Wissens leider unbeantwortet bleiben. Doch suchen wir einmal Belege für diese Definition. Niemand sonst auf der Welt versteht es doch so gut den scheinbaren Widerspruch des peinlichsten Saufgelages der Öffentlichkeit - die Wiesen - mit der dazu konträren Wertarbeit a la "Made in Germany in sich zu vereinen. Handelt es sich dabei um wirkliche Belege oder simplifizierende Klischees? Ehrlich gesagt, hätte das jemand zu einem beliebigen Zeitpunkt vor meinem Umzug nach München thematisiert, hätte ich es als blanken Unfug ad acta gelegt, so wie nicht alle Krauts wirklich Kraut essen, Franzosen nicht immer eine Baskenmütze tragen und Baguettes in den Tüten durch die Gegend tragen. Definitiv unbrauchbar für eine intellektuelle Annäherung der vielleicht existierenden Kultur- und Mentalitätsunterschiede.* Wenn man einen forschenden Blick auf die Zitatenliste von Wikipedia [1] bezüglich des Begriffes Vorurteils wirft, lernt man ihn schnell als Feind des freien Geistes und der Vernunft kennen. Einstein sagte, "Welch eine triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu spalten als ein Vorurteil.". Konfrontiert mit dem Alltag in Bayern erlebte ich ein ganz wundersames Bild der Selbsteinschätzung hinsichtlich dieser Stereotypen. Sie leben es! Und zwar ganz offensiv! Aber nicht immer ! Bier in der Caffeteria der UNI (!), nicht zu vergessen, dass diese in den Rankings der dt. Universitäten zu den Topadressen zählt. Bier trinkt die Omi, der 12 jährige Hans-Wurst von Nebenan. Kurioserweise entwickelten die Leute, die ich persönlich wirklich zu schätzen gelernt habe, eine Art selbstkritischen Humor. Sie genießen es in einer Art nationalen Huldigungen von Zeit zu Zeit (!) dieser vereinfachten Sichtweise gerecht zu werden. So beispielsweise zu sehen auf der im Herbst stattfindenden Wiesen, die von Trachtenträgern aller Couleur überflutet wird. Das Bild über dem Beitrag widerspiegelt die andere Seite von München, "overcorrectness" (tut mir leid für die dt. Sprache - haha), Sicherheitsempfinden auf csu niveau, und nervige Bullen, die mich aufgrund des dringenden Verdachtes (?) mit Rauschgift zu handeln, im Transitbereich des Münchener Ostbahnhofs dazu zwangen mich bis auf das Tshirt und meine Hose zu entkleiden. Jo, 3 Grad waren es, aber die Cola hat gefehlt! * Gruß an alle Zwiebelfischleser und insbesondere an alle Deutschlehrer, die ich je hatte, die es mir nie gestatteten unvollständige Sätze zu verfassen, aber dennoch verlangten, dass ich zur Analyse der wahrhaftig großen Werke mit dem Fachbegriff Ellipse vertraut sein musste. Warum "richtige" Autoren Ellipsen nutzen durften und ohne einen einzigen roten Strich in ihren korrekturgelesenen Printausgaben davon kamen, konnte oder wollte mir niemand richtig erklären.